Frauen im Kunstmarkt: Statistiken zur Repräsentation & Gender-Prices-Gap 2026

Frauen im Kunstmarkt Statistiken zur Repräsentation & Gender-Prices-Gap 2026

Frauen sind im internationalen Kunstmarkt 2026 deutlich stärker vertreten als noch vor einigen Jahren. In Galerien nähert sich die Repräsentation inzwischen der Geschlechterparität. Bei den erzielten Preisen und vor allem im hochpreisigen Auktionssegment ist die Situation jedoch weiterhin deutlich unausgeglichener.

Der aktuelle Art Basel & UBS Global Art Market Report 2026 zeigt deshalb ein zweigeteiltes Bild: Bei der Präsenz weiblicher Künstlerinnen gibt es erhebliche Fortschritte, bei Marktwerten und Spitzenpreisen besteht weiterhin eine große Lücke. Der globale Kunstmarkt selbst erreichte 2025 ein Volumen von 59,6 Milliarden US-Dollar und wuchs damit um 4 Prozent.

45 Prozent der vertretenen Künstler sind Frauen

Eine der wichtigsten Kennzahlen für 2026 betrifft die Galerien.

2025 waren 45 Prozent der von Kunsthändlern vertretenen Künstler Frauen. 2018 hatte dieser Anteil erst bei 35 Prozent gelegen.

Noch weiter ist der primäre Galeriemarkt: Dort erreichten Künstlerinnen 2025 einen Anteil von 50 Prozent der vertretenen Künstler und damit erstmals Geschlechterparität.

Die Entwicklung ist bemerkenswert, denn sie zeigt, dass sich die Angebotsseite des Kunstmarktes innerhalb weniger Jahre deutlich verändert hat.

Kennzahl 2018 2024 2025
Frauenanteil bei allen Händlern 35 % 41 % 45 %
Frauenanteil bei Primärmarkt-Galerien 42 % 46 % 50 %
Umsatzanteil Werke von Künstlerinnen 28 % 35 % 37 %
Umsatzanteil bei Primärmarkt-Galerien 32 % 44 %

Die Zahlen verdeutlichen allerdings bereits das zentrale Problem: Repräsentation und Umsatzanteil sind nicht dasselbe.

Frauen stellen 45 Prozent der Künstler, erzielen aber nur 37 Prozent des Umsatzes

Während Künstlerinnen 45 Prozent der vertretenen Künstler ausmachen, entfielen 2025 lediglich 37 Prozent des Verkaufswertes der Händler auf Werke von Frauen.

Das ist allerdings eine deutliche Verbesserung gegenüber 2018. Damals lag der Umsatzanteil weiblicher Künstlerinnen noch bei lediglich 28 Prozent.

Der Abstand zwischen 45 Prozent Repräsentation und 37 Prozent Umsatzanteil beträgt damit 8 Prozentpunkte.

Im Primärmarkt ist die Situation wesentlich ausgeglichener: Dort erzielten Künstlerinnen 2025 44 Prozent des Verkaufswertes und lagen damit nur knapp unter ihrem Anteil von 50 Prozent an den vertretenen Künstlern.

Je größer die Galerie, desto größer die Lücke

Besonders interessant wird die Gender-Analyse, wenn die Galerien nach Umsatzgröße betrachtet werden.

Bei kleineren Händlern mit einem Jahresumsatz von weniger als 250.000 US-Dollar stellten Frauen 2025 rund 55 Prozent der vertretenen Künstler. Ihr Anteil am Verkaufswert lag bei 43 Prozent.

Bei Galerien mit mehr als 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz waren dagegen nur 35 Prozent der vertretenen Künstler Frauen. Auf Künstlerinnen entfielen dort lediglich 27 Prozent des Umsatzes.

Damit nimmt die Geschlechterlücke mit zunehmender Größe und wirtschaftlicher Bedeutung der Galerie wieder zu.

Das ist für den Kunstmarkt besonders relevant, weil die größten Galerien Zugang zu den einflussreichsten Sammlern, internationalen Kunstmessen und hochpreisigen Werken haben.

Die eigentliche Gender-Price-Gap zeigt sich bei Auktionen

Noch deutlicher ist die Ungleichheit auf dem Sekundärmarkt.

Bei den 200 umsatzstärksten Künstlern aller Fine-Art-Auktionssegmente waren 2025 nur 11 Prozent Frauen vertreten.

Ihre Werke machten lediglich 8 Prozent des Verkaufswertes aus. Der Anteil lag damit sogar um einen Prozentpunkt niedriger als 2024.

Das bedeutet: Selbst unter den wirtschaftlich bedeutendsten Künstlern des internationalen Auktionsmarktes sind Frauen massiv unterrepräsentiert.

Besonders problematisch ist dabei, dass Auktionen häufig als Referenz für Marktwerte gelten. Weniger hochpreisige Verkäufe weiblicher Künstlerinnen können dadurch langfristig auch ihre Preisbenchmarks beeinflussen.

Nur 6 Prozent der Auktionsumsätze entfallen auf Künstlerinnen

Betrachtet man den gesamten Auktionsmarkt und nicht nur die Top 200, wird die Größenordnung der Lücke noch deutlicher.

2025 waren lediglich 5 Künstlerinnen unter den 50 umsatzstärksten Künstlern über alle Auktionssegmente hinweg vertreten.

Insgesamt machten Werke von Frauen nur etwa 6 Prozent des Verkaufswertes bei Auktionen aus.

Damit liegt der Auktionsmarkt deutlich hinter dem Galeriesektor.

Die Diskrepanz lässt sich vereinfacht so darstellen:

  • 45 % Frauenanteil bei den von Händlern vertretenen Künstlern
  • 50 % Frauenanteil bei Primärmarkt-Galerien
  • 37 % Anteil am Händlerumsatz
  • 11 % Frauenanteil unter den Top 200 der Auktionskünstler
  • 8 % Anteil am Verkaufswert der Top 200
  • 6 % Anteil am gesamten Fine-Art-Auktionswert

Die Zahlen sind nicht direkt miteinander vergleichbar, weil sie unterschiedliche Marktsegmente und Definitionen verwenden. Sie zeigen aber sehr deutlich, wo die größten Unterschiede liegen: im oberen Sekundärmarkt.

Bei zeitgenössischer Kunst ist die Lücke kleiner

Bei zeitgenössischen Künstlern ist die Situation etwas besser.

2025 waren 22 Prozent der Top 200 Contemporary Artists im Auktionsmarkt Frauen. Ihre Werke erzielten etwa 15 Prozent des Verkaufswertes und machten 11 Prozent der verkauften Lots aus.

Damit ist der Frauenanteil zwar deutlich höher als über alle Auktionssegmente hinweg, aber noch weit von einer gleichmäßigen Verteilung entfernt.

Bei den Top 200 lebenden Künstlern waren 20 Prozent Frauen vertreten. Ihr Anteil am Verkaufswert lag bei 19 Prozent.

Gerade diese Zahlen sind interessant, weil sie zeigen, dass die Gender-Gap nicht ausschließlich ein historisches Problem verstorbener Künstlerinnen ist.

Keine Frau unter den zehn umsatzstärksten Künstlern

Ein besonders deutliches Signal kommt aus dem absoluten Spitzenmarkt.

Unter den zehn umsatzstärksten Künstlern insgesamt befand sich 2025 keine Frau.

Bei den zehn erfolgreichsten lebenden Künstlern war dagegen Yayoi Kusama die einzige Künstlerin.

Kusama gehört damit zu den wenigen Frauen, die dauerhaft in der internationalen Spitzengruppe des Kunstmarktes vertreten sind.

Ihre Position zeigt gleichzeitig, wie stark der Markt auf einzelne etablierte Künstlerinnen konzentriert sein kann.

Marlene Dumas setzt Rekord für lebende Künstlerin

2025 gab es allerdings einen wichtigen Rekord.

Marlene Dumas erzielte mit „Miss January“ (1997) bei Christie’s New York einen Preis von 13,6 Millionen US-Dollar.

Damit stellte sie einen neuen Auktionsrekord für eine lebende Künstlerin auf. Ihr Werk übertraf den bisherigen Rekord von Jenny Saville, deren „Propped“ 2018 bei Sotheby’s rund 12,5 Millionen US-Dollar erzielt hatte.

Solche Rekorde haben eine wichtige Funktion: Sie schaffen neue Preisanker für Künstlerinnen und können die Wahrnehmung ihrer langfristigen Marktposition verändern.

Frida Kahlo bleibt eine Ausnahmeerscheinung

Auch Frida Kahlo gehört zu den Künstlerinnen, deren Marktpreise die historische Gender-Gap teilweise durchbrechen.

Ihr Werk „El sueño (La cama)“ erzielte 2025 bei Sotheby’s rund 54,7 Millionen US-Dollar. Damit stellte Kahlo einen neuen Auktionsrekord für eine Künstlerin auf.

Der Fall Kahlo verdeutlicht jedoch auch ein grundlegendes Problem: Einzelne Rekordverkäufe können die Sichtbarkeit von Frauen erheblich steigern, verändern aber nicht automatisch die breite Marktstruktur.

Frauen kaufen häufiger Kunst von Frauen

Interessant ist die Entwicklung auf der Käuferseite.

Die Art Basel & UBS Survey of Global Collecting zeigt, dass Werke von Künstlerinnen inzwischen einen größeren Anteil an den Sammlungen weiblicher High-Net-Worth Individuals einnehmen.

2025 bestanden durchschnittlich 49 Prozent der Werke in den Sammlungen weiblicher Sammler aus Arbeiten von Künstlerinnen. Bei männlichen Sammlern lag dieser Anteil bei 40 Prozent.

Das könnte langfristig eine wichtige Rolle spielen.

Je mehr Frauen zu bedeutenden Kunstsammlerinnen werden und gezielt Künstlerinnen kaufen, desto größer wird die Nachfrage nach Werken weiblicher Kunstschaffender.

Frauen kontrollieren mehr Vermögen

Hinter dieser Entwicklung steht auch ein größerer gesellschaftlicher Wandel.

Laut Art Basel und UBS kontrollieren Frauen inzwischen mehr als ein Drittel des weltweiten Vermögens. Der Anteil dürfte weiter steigen.

2024 gaben weibliche High-Net-Worth Collectors durchschnittlich 519.960 US-Dollar für Kunst und Antiquitäten aus. Das waren 46 Prozent mehr als bei männlichen Sammlern.

Damit verändert sich nicht nur die Zusammensetzung der Künstlerseite, sondern auch die Struktur der Nachfrageseite.

44 Prozent der Ausgaben für Werke von Frauen

Trotz der höheren Bedeutung weiblicher Sammler blieb die Nachfrage insgesamt 2025 noch leicht zugunsten männlicher Künstler verschoben.

Nach der Art Basel & UBS Survey of Global Collecting entfielen 56 Prozent der nach Geschlecht zuordenbaren Ausgaben auf Werke männlicher Künstler und 44 Prozent auf Werke weiblicher Künstlerinnen.

Damit hat sich die Lücke gegenüber früheren Jahren reduziert. 2023 waren lediglich 39 Prozent der entsprechenden Ausgaben auf Künstlerinnen entfallen.

Wichtig: Ein Teil der Ausgaben wurde nicht in diese Geschlechteraufteilung einbezogen, beispielsweise bei Gruppenwerken, nicht-binären Künstlern oder wenn das Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden konnte.

Frauen geben nicht nur mehr aus, sie sammeln auch anders

Die Daten zeigen außerdem Unterschiede im Sammelverhalten.

Weibliche High-Net-Worth Collectors besitzen im Durchschnitt einen höheren Anteil von Werken weiblicher Künstlerinnen. Außerdem interessieren sie sich vergleichsweise stark für neue Künstler, digitale Kunst, Fotografie und Installationen.

Das könnte für den Kunstmarkt langfristig erhebliche Folgen haben.

Denn Kunstpreise entstehen nicht nur durch die vorhandene Qualität eines Werkes, sondern auch durch Nachfrage, Sichtbarkeit, institutionelle Anerkennung und die Bereitschaft von Sammlern, bestimmte Künstler langfristig zu unterstützen.

Was bedeutet Gender-Prices-Gap im Kunstmarkt?

Die Gender-Prices-Gap bezeichnet vereinfacht den Unterschied zwischen den Marktpreisen von Werken männlicher und weiblicher Künstler.

Dabei muss zwischen mehreren Ebenen unterschieden werden.

1. Durchschnittspreise

Werden alle Werke miteinander verglichen, können große Unterschiede entstehen. Allerdings ist ein einfacher Durchschnitt wenig aussagekräftig, weil Künstlerinnen und Künstler in unterschiedlichen Marktsegmenten vertreten sind.

2. Auktionspreise

Auktionen liefern transparente Verkaufspreise. Hier ist die Gender-Gap besonders gut messbar.

3. Spitzenpreise

Bei den teuersten Werken wird die Lücke besonders deutlich. Der internationale Spitzenmarkt wird weiterhin stark von männlichen Künstlern dominiert.

4. Galerieumsätze

Hier ist die Situation deutlich ausgeglichener. 2025 kamen Künstlerinnen bei allen Händlern bereits auf 37 Prozent des Verkaufswertes und im Primärmarkt sogar auf 44 Prozent.

Deshalb gibt es nicht die eine Gender-Prices-Gap. Die Größe der Lücke hängt davon ab, ob Galerien, Auktionen, zeitgenössische Kunst oder der gesamte Kunstmarkt betrachtet werden.

Warum die Lücke so groß bleibt

Mehrere Faktoren können zur weiterhin bestehenden Ungleichheit beitragen.

Historische Unterrepräsentation: Viele heute besonders wertvolle Künstler wurden über Jahrzehnte hinweg in Museen, Sammlungen und Auktionen bevorzugt berücksichtigt.

Institutionelle Sichtbarkeit: Museumsausstellungen, Retrospektiven und wichtige Biennalen können langfristig die Marktposition eines Künstlers stärken.

Galerien und Netzwerke: Der Zugang zu führenden Galerien und Sammlern ist entscheidend für die Karriereentwicklung.

Auktionshistorie: Hohe Preise schaffen neue Referenzwerte. Ein Künstler mit mehreren Millionenauktionen kann dadurch leichter weitere hochpreisige Verkäufe erzielen.

Angebot: Wenn bedeutende Werke einer Künstlerin selten auf den Markt kommen, kann die geringe Verfügbarkeit die Preisentwicklung beeinflussen.

2026: Die Repräsentation verbessert sich schneller als die Preise

Das vielleicht wichtigste Ergebnis der aktuellen Daten lautet:

Die Geschlechterparität erreicht den Galeriemarkt schneller als den Auktionsmarkt.

Bei Primärmarkt-Galerien sind Frauen 2025 bereits bei 50 Prozent der vertretenen Künstler angekommen. Beim Verkaufswert liegen sie mit 44 Prozent ebenfalls relativ nahe an der Parität.

Im Auktionsmarkt beträgt der Anteil weiblicher Künstlerinnen dagegen bei den Top 200 lediglich 11 Prozent und ihr Anteil am Verkaufswert 8 Prozent.

Das deutet darauf hin, dass sich die Veränderungen im Primärmarkt erst mit zeitlicher Verzögerung auf den Sekundärmarkt und die großen Auktionen übertragen dürften.

Fazit: Fortschritt, aber noch keine echte Gleichheit

Der Kunstmarkt 2026 befindet sich bei der Geschlechterrepräsentation an einem historischen Wendepunkt.

45 Prozent der von Händlern vertretenen Künstler sind Frauen, im Primärmarkt wurde mit 50 Prozent erstmals Parität erreicht. Auch der Umsatzanteil weiblicher Künstlerinnen ist von 28 Prozent im Jahr 2018 auf 37 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.

Im hochpreisigen Auktionsmarkt sieht das Bild jedoch vollkommen anders aus. Nur 11 Prozent der Top-200-Künstler waren 2025 Frauen, ihre Werke standen für lediglich 8 Prozent des Verkaufswertes. Über alle Fine-Art-Auktionen hinweg lag der Anteil weiblicher Künstler am Verkaufswert sogar nur bei etwa 6 Prozent.

Damit lässt sich die Entwicklung 2026 treffend als „Annäherung an die Parität im Primärmarkt bei gleichzeitig großer Gender-Prices-Gap im Spitzenmarkt“ beschreiben.

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre wird deshalb nicht mehr nur lauten, ob Frauen im Kunstmarkt vertreten sind. Vielmehr geht es darum, ob ihre zunehmende Präsenz auch in höhere Preise, mehr Museumssichtbarkeit und eine dauerhaft stärkere Position im internationalen Auktionsmarkt übersetzt wird.

Quellen und weiterführende Informationen

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