Kunstepoche Fauvismus – Eine Übersicht

Künstlerin bunte Farben Kunstepoche Fauvismus – Eine Übersicht

Der Fauvismus war die erste große künstlerische Erneuerungsbewegung des 20. Jahrhunderts. Obwohl diese Epoche nur sehr kurz währte (etwa von 1905 bis 1908), setzte sie den Grundstein für die gesamte moderne Malerei, indem sie die Farbe von ihrer rein beschreibenden Funktion befreite.

Hier ist ein Überblick über diese „wilde“ Ära der Kunstgeschichte:

Inhaltsverzeichnis


1. Die Entstehung: „Die wilden Bestien“

Der Name der Bewegung geht auf eine Beleidigung zurück. Als eine Gruppe junger Maler um Henri Matisse im Jahr 1905 im Pariser Salon d’Automne ausstellte, war die Kritik schockiert von der rohen Gewalt der Farben.

Der Kunstkritiker Louis Vauxcelles erblickte inmitten der bunten Leinwände eine eher klassische Statue und rief aus: „Donatello chez les fauves!“ („Donatello bei den wilden Tieren!“). Der Begriff Fauvismus (abgeleitet von fauve = wildes Tier) war geboren.


2. Merkmale: Farbe als Ausdrucksmittel

Die Fauvisten brachen radikal mit den Regeln der akademischen Malerei und sogar mit dem Impressionismus.

  • Autonomie der Farbe: Ein Baum musste nicht mehr braun und Blätter nicht mehr grün sein. Wenn der Künstler eine Emotion durch ein leuchtendes Rot ausdrücken wollte, wurde der Baum eben rot gemalt.

  • Reine Pigmente: Die Farben wurden oft direkt aus der Tube auf die Leinwand aufgetragen, ohne sie großartig zu mischen.

  • Verzicht auf Räumlichkeit: Schatten und Perspektive spielten kaum eine Rolle. Die Bilder wirken flächig und plakativ.

  • Grobe Pinselführung: Der Farbauftrag war spontan, fast schon skizzenhaft, was den Werken eine enorme Dynamik und Energie verlieh.


3. Die wichtigsten Vertreter

Obwohl der Fauvismus nie eine fest organisierte Gruppe mit einem Manifest war, bildeten einige Künstler den Kern der Bewegung:

Künstler Rolle / Stil
Henri Matisse Der „Anführer“ der Gruppe. Bekannt für harmonische Kompositionen und expressive Linienführung.
André Derain Nutzte oft punktartige Pinselstriche und extrem kontrastreiche Komplementärfarben.
Maurice de Vlaminck Der wohl „wildeste“ unter ihnen; er liebte dicke Farbschichten und dynamische Landschaften.
Raoul Dufy Brachte eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz in den Stil ein.

4. Warum war der Fauvismus so wichtig?

Der Fauvismus war der direkte Vorläufer des Expressionismus (z. B. „Die Brücke“ in Deutschland). Er lehrte die Kunstwelt, dass ein Bild nicht die äußere Realität kopieren muss, sondern die innere Empfindung des Künstlers widerspiegeln darf. Ohne die Befreiung der Farbe durch die „Fauves“ wären spätere Strömungen bis hin zur abstrakten Kunst kaum denkbar gewesen.

„Wenn ich Grün setze, bedeutet das nicht Gras; wenn ich Blau setze, bedeutet das nicht Himmel.“ – Henri Matisse


Was interessiert dich besonders am Fauvismus?

Soll ich dir mehr über ein bestimmtes Hauptwerk wie Matisse‘ „Frau mit Hut“ erzählen oder möchtest du wissen, wie sich der Fauvismus vom deutschen Expressionismus unterscheidet?

In Fortsetzung zum Überblick über den Fauvismus werfen wir einen genaueren Blick auf die Akteure, die diese Bewegung geprägt haben. Obwohl die Gruppe nur wenige Jahre zusammenarbeitete, hinterließen diese „wilden Bestien“ Werke, die heute zu den teuersten und einflussreichsten der Kunstgeschichte gehören.

Hier sind die zentralen Köpfe des Fauvismus:


1. Henri Matisse (1869–1954) – Der Kopf der Bewegung

Matisse war der unbestrittene Anführer. Während andere die Farbe oft aggressiv einsetzten, suchte Matisse nach einer Balance zwischen Ausdruck und Harmonie. Für ihn war die Farbe ein Mittel, um Licht und Raum zu strukturieren, ohne sich an die Natur halten zu müssen.

  • Stil: Flächiger Farbauftrag, dekorative Muster und eine fließende Linienführung.

  • Schlüsselwerk: „Frau mit Hut“ (1905) – Dieses Porträt löste beim Pariser Publikum einen Skandal aus, da das Gesicht der Frau mit grünen und gelben Schatten bemalt war.

2. André Derain (1880–1954) – Der Pionier der Kontraste

Zusammen mit Matisse verbrachte Derain den Sommer 1905 in Collioure (Südfrankreich), wo der eigentliche Fauvismus entstand. Derain war fasziniert davon, wie das grelle Mittelmeerlicht alle Formen auflöste.

  • Stil: Er nutzte oft kurze, punktartige Pinselstriche (beeinflusst vom Pointillismus), setzte diese aber in extremen, reinbunten Kontrasten nebeneinander.

  • Schlüsselwerk: „Big Ben“ (1906) – Das berühmte Londoner Wahrzeichen in leuchtendem Blau, Gelb und Rot.

3. Maurice de Vlaminck (1876–1958) – Der „Wilde“ Autodidakt

Vlaminck war der radikalste der Gruppe. Er rühmte sich damit, nie eine Kunstakademie besucht zu haben, und behauptete, er wolle die École des Beaux-Arts „mit Kobaltblau und Zinnoberrot niederbrennen“.

  • Stil: Ein sehr dicker Farbauftrag (Impasto) und eine leidenschaftliche, fast gewaltsame Pinselführung. Seine Bilder wirken oft wie ein emotionaler Ausbruch.

  • Schlüsselwerk: „Der Fluss Seine bei Chatou“ (1906).

4. Raoul Dufy (1877–1953) – Licht und Leichtigkeit

Dufy schloss sich der Bewegung an, nachdem er Matisse’ Werk „Luxe, Calme et Volupté“ gesehen hatte. Er brachte eine fröhliche, fast illustrative Note in den Fauvismus.

  • Stil: Klare, helle Farben und eine sehr lockere Strichführung, die an Skizzen erinnert. Er blieb dem optimistischen Charakter der Farbe auch nach der fauvistischen Phase treu.


Vergleich der Hauptvertreter

Künstler Temperament Fokus
Matisse Intellektuell & Suchend Struktur, Harmonie, dekorative Fläche
Derain Experimentell Lichtwirkung, Farbtheorie, Stadtansichten
Vlaminck Instinktiv & Rebellisch Emotion, rohe Energie, dicke Textur

Einflüsse auf andere Künstler

Der fauvistische Geist breitete sich schnell aus. Auch Künstler wie Georges Braque (bevor er den Kubismus mitbegründete) oder Kees van Dongen (bekannt für seine großäugigen Frauenporträts in schrillen Farben) gehörten zeitweise zum Kreis der „Fauves“.

Soll ich dir zu einem dieser Künstler eine detaillierte Analyse eines seiner Hauptwerke erstellen, oder möchtest du wissen, wie die Zeitgenossen damals auf diese „skandalösen“ Bilder reagiert haben?

Das Wort Fauvismus stolpert manchen Kunstinteressierten zunächst über die Zunge, da es eine Mischung aus einem französischen Wortstamm und einer deutschen Endung ist.

Hier ist eine kurze Hilfestellung, wie du den Begriff wie ein Profi aussprichst:


1. Die richtige Aussprache

Der Begriff leitet sich vom französischen Wort fauve (wildes Tier) ab.

  • Lautschrift (Deutsch): [fovˈɪsmʊs]

  • Im Alltag: Man spricht es etwa „Foh-vismus“ aus.

Die wichtigsten Details:

  • Das „au“ wird wie ein geschlossenes, langes „o“ gesprochen (ähnlich wie im französischen Wort „Auto“ oder dem Namen „Claude“).

  • Das „v“ wird wie ein weiches, stimmhaftes „w“ gesprochen (wie in „Vase“ oder „Welt“).

  • Die Endung „-ismus“ wird ganz normal deutsch ausgesprochen.


2. Warum heißt es so? (Der Hintergrund)

Die Aussprache zu kennen ist das eine, aber die Herkunft hilft, sich das Wort besser zu merken. Wie bereits erwähnt, stammt es vom französischen „Les Fauves“ ([le fov]), was „Die Wilden“ oder „Die Raubtiere“ bedeutet.

Der Kritiker Louis Vauxcelles prägte den Begriff 1905 eher spöttisch. Wenn du also „Foh-vismus“ sagst, beziehst du dich direkt auf diese „wilden“ Anfänge der modernen Kunst.


3. Andere wichtige Begriffe der Epoche

Falls du über den Fauvismus diskutierst, begegnen dir sicher auch diese Namen. So sprichst du sie korrekt aus:

Begriff / Name Ungefähre Aussprache
Henri Matisse On-rí Ma-tíss
André Derain An-dré De-räng (mit nasalem „ng“)
Maurice de Vlaminck Mo-ríss de Vla-mängk
Salon d’Automne Sa-long do-tonn
Collioure Koll-júhr

Kleiner Merksatz

Denk einfach an ein Fohlen, das völlig ismus-begeistert ist. Foh-vismus.

Möchtest du, dass ich dir auch die Aussprache anderer Kunstepochen (wie z.B. dem Pointillismus oder Kubismus) kurz erläutere, oder hast du eine Frage zu einem speziellen Begriff aus dieser Zeit?

Wenn man den Fauvismus mit einem Satz beschreiben müsste, dann wäre es: „Die Befreiung der Farben!“

Hier ist eine einfache und klare Zusammenfassung für alle, die verstehen wollen, was diese Epoche so besonders macht.


Was ist der Fauvismus?

Der Fauvismus war eine kurze, aber heftige Kunstströmung am Anfang des 20. Jahrhunderts (ca. 1905–1908). Eine Gruppe junger Maler in Frankreich hatte keine Lust mehr auf die strengen Regeln der Vergangenheit. Sie wollten nicht mehr malen, wie die Welt wirklich aussieht, sondern wie sie sich anfühlt.

Die 3 goldenen Regeln der Fauvisten

Um ein Bild im Stil des Fauvismus zu erkennen, achte auf diese drei Dinge:

  1. Farbe ist alles: Die Künstler nutzten Farben oft direkt aus der Tube. Ein Gesicht konnte plötzlich grün sein, der Himmel gelb und die Bäume leuchtend rot.

  2. Keine Details: Es ging nicht um Perfektion. Die Formen sind oft vereinfacht, fast wie in einem Comic oder einer Skizze.

  3. Gefühl vor Realität: Wenn der Maler glücklich war, nutzte er helle, warme Farben – völlig egal, ob das Motiv in echt eigentlich grau oder braun war.


Warum „Wilde Tiere“?

Der Name kommt von einem lustigen Vorfall: Ein Kunstkritiker sah die Bilder 1905 in einer Ausstellung. Er fand sie so schockierend und grell, dass er die Künstler als „Fauves“ bezeichnete, was auf Französisch „wilde Tiere“ bedeutet. Er meinte das als Beleidigung – aber den Künstlern gefiel der Name so gut, dass sie ihn behielten.

Die wichtigsten Köpfe

  • Henri Matisse: Er war der „Anführer“. Seine Bilder wirken oft sehr fröhlich und dekorativ.

  • André Derain: Er malte viele Landschaften und Städte in Farben, die man so in der Natur nie finden würde.


Warum ist das heute noch wichtig?

Vor dem Fauvismus dachten die meisten Menschen, dass Kunst die Realität so genau wie möglich kopieren muss. Die Fauvisten haben diese Tür eingetreten und gesagt: „Nein, Kunst darf wild, bunt und frei sein!“ Ohne sie gäbe es viele moderne Kunstrichtungen von heute wahrscheinlich gar nicht.


Zusammenfassung auf einen Blick

  • Wann? Kurz nach 1900.

  • Wo? Frankreich (vor allem Paris).

  • Wie? Extrem bunte Farben, wilde Pinselstriche, keine Schatten.

  • Motto: Farbe muss nicht echt sein, sie muss knallen!

Tipp für den Alltag: Wenn du das nächste Mal ein Bild siehst, auf dem ein Baum blau oder ein Hund lila ist, dann steckt darin ein ordentliches Stück Fauvismus!

Möchtest du mal ausprobieren, selbst ein „fauvistisches“ Bild zu beschreiben oder zu entwerfen? Ich kann dir dabei helfen, ein Motiv in diesen wilden Farben zu planen!

Wenn man über den Fauvismus spricht, denkt man sofort an eine Explosion von Farben. Die Künstler dieser Epoche haben Werke geschaffen, die auch über 100 Jahre später noch modern und lebendig wirken.

Hier sind die bedeutendsten Meisterwerke, die den Stil und den Geist der „Wilden“ perfekt verkörpern:


1. Henri Matisse: Frau mit Hut (Femme au chapeau), 1905

Dieses Gemälde ist das wohl legendärste Werk des Fauvismus. Als es im Pariser Salon d’Automne ausgestellt wurde, löste es einen handfesten Skandal aus.

  • Das Besondere: Das Gesicht der Frau (Matisses Ehefrau Amélie) ist nicht in Hauttönen gemalt, sondern weist leuchtend grüne, gelbe und blaue Partien auf. Der Hintergrund und der Hut bestehen aus wilden, bunten Farbtupfern.

  • Die Wirkung: Es war die Geburtsstunde der modernen Porträtmalerei, in der Farben Gefühle statt die Realität beschreiben.

2. André Derain: Big Ben, 1906

Derain reiste nach London und malte die Stadt in einer Weise, wie sie noch nie jemand gesehen hatte.

  • Das Besondere: Der berühmte Uhrturm und die Gebäude sind in ein fast unnatürliches, leuchtendes Blau getaucht, während der Himmel in Gelb- und Pinktönen erstrahlt.

  • Die Wirkung: Derain nutzte hier die Technik des Pointillismus (viele kleine Punkte), machte die Striche aber breiter und wilder. Das Bild wirkt eher wie eine bunte Vision als wie eine Stadtansicht.

3. Maurice de Vlaminck: Der Fluss Seine bei Chatou, 1906

Vlaminck war der leidenschaftlichste unter den Fauvisten, und das sieht man diesem Bild an.

  • Das Besondere: Er drückte die Farbe oft direkt aus der Tube auf die Leinwand. Die weißen Segel der Boote und das tiefblaue Wasser sind mit groben, dicken Pinselstrichen gemalt, die fast dreidimensional wirken.

  • Die Wirkung: Das Bild strotzt vor Energie und zeigt die rohe, ungefilterte Naturkraft, die Vlaminck so liebte.

4. Henri Matisse: Die Lebensfreude (Le Bonheur de vivre), 1905–1906

Dieses riesige Gemälde gilt als eines der wichtigsten Werke der frühen Moderne.

  • Das Besondere: Es zeigt eine paradiesische Szene mit nackten Figuren, die tanzen oder sich ausruhen. Die Farben sind in großen, flachen Flächen angelegt, und die Körper sind mit fließenden, fast arabesken Linien umrandet.

  • Die Wirkung: Es vermittelt ein Gefühl von totaler Freiheit und Harmonie. Später inspirierte der Kreis der tanzenden Figuren im Hintergrund Matisse zu seinem berühmtesten Werk überhaupt: Der Tanz.


Berühmte Werke im Überblick

Künstler Titel Jahr Hauptmerkmal
Matisse Frau mit Hut 1905 Skandal-Porträt, bunte Gesichtsfarben
Derain Big Ben 1906 Komplementärkontraste, „falsche“ Himmelsfarben
Vlaminck Die Seine bei Chatou 1906 Dicker Farbauftrag, wilde Energie
Matisse Die Lebensfreude 1906 Große Farbaufträge, fließende Linien

Wo kann man diese Bilder heute sehen?

Die meisten dieser Schätze befinden sich heute in den großen Museen der Welt, wie dem Musée d’Orsay oder dem Centre Pompidou in Paris, dem MoMA in New York oder der Tate Modern in London.

Möchtest du zu einem dieser Bilder eine detaillierte Bildanalyse haben, oder interessiert dich, wie die Künstler diese speziellen Farbkombinationen (z. B. Komplementärfarben) ausgewählt haben?

Wenn man die Zeitspanne des Fauvismus betrachtet, fällt auf, dass diese Epoche – gemessen an ihrem riesigen Einfluss auf die moderne Kunst – erstaunlich kurz war. Hier ist die zeitliche Einordnung:


Die Kernzeit: 1905 bis 1908

Obwohl Künstler wie Henri Matisse schon um 1900 begannen, mit reinen Farben zu experimentieren, lässt sich die Epoche auf ein kurzes Zeitfenster von etwa drei bis vier Jahren eingrenzen.

  • 1905: Der Urknall

    Im Oktober 1905 fand im Pariser Salon d’Automne die berühmte Ausstellung statt, bei der die Gruppe (u. a. Matisse, Derain, Vlaminck) gemeinsam ausstellte. Hier prägte der Kritiker Louis Vauxcelles den Namen „Fauves“ (Wilde Bestien). Dies gilt als der offizielle Beginn der Bewegung.

  • 1906: Der Höhepunkt

    In diesem Jahr entstanden die radikalsten Werke. Die Künstler reisten oft gemeinsam (z. B. nach Südfrankreich), um das Licht einzufangen und ihre Farbwahl noch weiter zu steigern.

  • 1907: Erste Veränderungen

    Gegen Ende 1907 begann das Interesse an der reinen Farbe nachzulassen. Paul Cézannes Retrospektive im selben Jahr beeinflusste viele Fauvisten dazu, sich wieder mehr mit Form und Struktur statt nur mit Farbe zu beschäftigen.

  • 1908: Das Ende der Gruppe

    Die Gruppe löste sich auf. Die Künstler entwickelten sich in verschiedene Richtungen weiter. Georges Braque beispielsweise wandte sich zusammen mit Pablo Picasso dem Kubismus zu, der den Fauvismus als führende Avantgarde-Bewegung ablöste.


Warum war die Epoche so kurz?

Der Fauvismus war weniger eine feste Schule mit Programm, sondern eher ein gemeinsames Lebensgefühl und ein Aufbruch. Sobald die Befreiung der Farbe erreicht war, suchten die Künstler nach neuen Herausforderungen:

  1. Suche nach Struktur: Reine Farbe allein reichte vielen nicht mehr aus, um Tiefe und Ordnung im Bild zu schaffen.

  2. Konkurrenz durch den Kubismus: Die geometrische Strenge des Kubismus ab 1907/08 wirkte auf viele spannender als die „wilde“ Malerei.

  3. Individualismus: Die „Fauves“ waren starke Persönlichkeiten. Jeder wollte seinen eigenen, reiferen Stil entwickeln (Matisse etwa blieb der Farbe treu, wurde aber dekorativer und ruhiger).


Zeitleiste im Kontext

  • Vorläufer (1890–1904): Post-Impressionismus (Van Gogh, Gauguin, Cézanne) – sie lieferten die Inspiration.

  • Fauvismus (1905–1908): Die kurze, explosive Phase der „Wilden“.

  • Nachfolger (ab 1908): Kubismus in Frankreich und Expressionismus (Die Brücke) in Deutschland.

Wusstest du schon? Obwohl die Epoche 1908 endete, blieb ihr Geist lebendig. Ohne diesen kurzen „Farbschock“ hätte sich die Kunst des 20. Jahrhunderts niemals so schnell von der Pflicht befreit, die Natur naturgetreu abzubilden.

Hättest du gerne gewusst, welche Ereignisse im Jahr 1907 genau dazu führten, dass die Künstler sich vom Fauvismus abwandten?

Der Fauvismus zeichnet sich vor allem durch eine radikale Abkehr von der Tradition aus. Die Künstler, die „Fauves“, wollten nicht das Auge des Betrachters täuschen, sondern seine Seele berühren.

Hier sind die wesentlichen Charakteristika, an denen du fauvistische Werke sofort erkennst:


1. Die Autonomie der Farbe

Das wichtigste Merkmal ist die Loslösung der Farbe vom Gegenstand.

  • Lokalberzug wird ignoriert: Ein Baum muss nicht grün sein, ein Gesicht nicht fleischfarben. Die Farbe wird nach dem subjektiven Empfinden des Künstlers gewählt, nicht nach der Realität.

  • Gefühlswert: Farben dienen dazu, eine bestimmte Stimmung oder Emotion (wie Freude, Wildheit oder Licht) direkt zu übertragen.

2. Extreme Farbigkeit und Kontraste

Die Fauvisten liebten die Energie der reinen Pigmente.

  • Ungebrochene Farben: Die Farben wurden oft ungemischt direkt aus der Tube verwendet.

  • Komplementärkontraste: Um die Leuchtkraft zu maximieren, setzten die Maler Farben gegenüber, die sich verstärken – zum Beispiel ein leuchtendes Orange direkt neben ein tiefes Blau.

3. Grobe, expressive Pinselführung

Die Technik hinter den Bildern ist spontan und sichtbar.

  • Duktus: Man sieht den Pinselstrich deutlich. Er ist oft breit, kräftig und wird manchmal wie ein „Hieb“ auf die Leinwand gesetzt.

  • Impasto: Teilweise wurde die Farbe so dick aufgetragen, dass sie reliefartig aus dem Bild herausragt.

  • Skizzenhafter Charakter: Die Werke wirken oft unfertig oder eilig gemalt, was ihnen eine besondere Dynamik verleiht.

4. Vereinfachung der Form

Details wurden als störend empfunden, da sie von der Farbwirkung ablenken könnten.

  • Abstraktion: Formen wurden auf das Wesentliche reduziert. Gesichter wirken oft maskenhaft, Landschaften bestehen aus groben Flächen.

  • Fehlende Perspektive: Die klassische Tiefenwirkung durch Schatten oder mathematische Fluchtpunkte wurde aufgegeben. Das Bild wird flächig und zweidimensional.

5. Betonung der Kontur

Obwohl die Farbe dominiert, nutzten viele Fauvisten (besonders Matisse) dunkle oder farbige Umrisslinien. Diese „einzäunenden“ Linien halten die wilden Farbflächen zusammen und geben dem Bild Struktur.


Die Charakteristika im Vergleich

Merkmal Klassische Malerei Fauvismus
Farbe Naturgetreu (Lokalfarbe) Expressiv (Subjektiv)
Raum Tiefe & Perspektive Flächigkeit
Linie Verdeckt / Fein Deutlich / Grob
Licht Durch Schatten modelliert Durch reine Farbkraft erzeugt

Warum diese Merkmale revolutionär waren

Diese Merkmale stellten die gesamte Kunstwelt auf den Kopf. Indem die Fauvisten bewiesen, dass ein Bild auch ohne Realitätstreue funktionieren kann, ebneten sie den Weg für alle nachfolgenden modernen Stile bis hin zur kompletten Abstraktion.

Möchtest du wissen, wie diese Merkmale speziell in einem berühmten Bild wie „Die Lebensfreude“ umgesetzt wurden, oder interessiert dich der Unterschied zum deutschen Expressionismus?

Die Entstehungsgeschichte des Fauvismus ist eine der spannendsten Anekdoten der Kunstgeschichte. Sie markiert den Moment, in dem die Moderne endgültig die Bühne betrat – mit einem Paukenschlag, der das konservative Paris erschütterte.

Hier ist die Chronologie der Ereignisse, die zur Entstehung der „wilden Bestien“ führten:


1. Die Wurzeln: Rebellion im Atelier

Der Ursprung liegt im Atelier des symbolistischen Malers Gustave Moreau an der Pariser Kunstakademie Ende der 1890er Jahre. Moreau war ein außergewöhnlicher Lehrer: Er drängte seine Schüler (darunter Henri Matisse und Albert Marquet) nicht zum Kopieren alter Meister, sondern ermutigte sie, ihre eigene visuelle Sprache und vor allem die Kraft der Farbe zu entdecken.

Gleichzeitig experimentierten Künstler wie Maurice de Vlaminck und André Derain in Chatou bei Paris. Sie waren tief beeindruckt von der emotionalen Wucht Vincent van Goghs und der flächigen Farbwahl Paul Gauguins.


2. Der Sommer 1905: Das Labor in Collioure

Der entscheidende Wendepunkt war der Sommer 1905. Matisse und Derain verbrachten ihn gemeinsam in dem kleinen Fischerdorf Collioure in Südfrankreich. Das helle, gleißende Licht des Mittelmeers inspirierte sie dazu, die traditionelle Perspektive und die natürliche Farbwiedergabe komplett aufzugeben.

Sie begannen, Schatten nicht mehr grau oder braun, sondern leuchtend blau oder violett zu malen. Die Leinwände füllten sich mit rohen, ungemischten Farben.


3. Der Skandal im Salon d’Automne

Im Herbst 1905 präsentierten diese Künstler ihre neuen Werke im Rahmen des Salon d’Automne in Paris. Die Bilder waren in „Saal VII“ konzentriert. Inmitten dieser explosionsartigen Farbenpracht stand eine klassizistische Marmorbüste des Bildhauers Albert Marque, die an den Stil der Renaissance erinnerte.

Der Kunstkritiker Louis Vauxcelles war von der Aggressivität der Farben so schockiert, dass er schrieb:

„Donatello chez les fauves!“ („Donatello bei den wilden Tieren!“)

Dieser spöttische Kommentar gab der Bewegung ihren Namen. Die Öffentlichkeit und die Presse stürzten sich auf den Begriff „Fauves“, und was als Beleidigung gedacht war, wurde zum Markenzeichen einer Revolution.


4. Warum entstand der Fauvismus ausgerechnet zu dieser Zeit?

Die Entstehung war kein Zufall, sondern eine Antwort auf gesellschaftliche und technische Veränderungen:

  • Reaktion auf die Fotografie: Da Fotos die Realität nun perfekt abbilden konnten, suchten Maler nach einer Aufgabe, die nur die Malerei erfüllen konnte: den Ausdruck von inneren Emotionen durch Farbe.

  • Industrialisierung der Farben: Neue chemische Pigmente machten es möglich, extrem leuchtende Farben in Tuben zu kaufen, die es früher so nicht gab.

  • Wunsch nach Freiheit: Die junge Generation wollte die staubigen Regeln der Akademien hinter sich lassen und die Welt „ungefiltert“ und wild darstellen.


Zusammenfassung der Meilensteine

  • Ab 1898: Erste Experimente mit reiner Farbe (Matisse).

  • Sommer 1905: Durchbruch in Collioure (Matisse & Derain).

  • Oktober 1905: Der „Skandal von Saal VII“ und Namensgebung durch Louis Vauxcelles.

  • 1906: Offizielle Anerkennung als Avantgarde-Bewegung.

Der Fauvismus war die erste Bewegung, die die Farbe radikal vom Gegenstand löste. Auch wenn er nur bis ca. 1908 dauerte, war der Weg für den Expressionismus und die abstrakte Kunst damit frei.

Möchtest du mehr über die Reaktion des Publikums im Jahr 1905 erfahren oder soll ich dir zeigen, wie genau Matisse und Derain in Collioure zusammengearbeitet haben?

Der Fauvismus und der Expressionismus sind wie Geschwister: Sie entstanden fast zeitgleich, nutzen beide explosive Farben und rebellierten gegen die klassische Kunst. Doch während der Fauvismus die französische Eleganz und Lebensfreude verkörpert, ist der deutsche Expressionismus oft tiefer, emotionaler und gesellschaftskritischer.

Hier ist ein direkter Vergleich dieser beiden bahnbrechenden Epochen:


1. Die Grundlagen im Überblick

Merkmal Fauvismus Expressionismus
Zeitraum ca. 1905 – 1908 ca. 1905 – 1914 (und später)
Zentrum Frankreich (Paris) Deutschland (Dresden, München)
Künstlergruppen Keine feste Gruppe („Die Wilden“) Die Brücke, Der Blaue Reiter
Wichtige Namen Matisse, Derain, Vlaminck Kirchner, Nolde, Marc, Kandinsky

2. Die wesentlichen Unterschiede

Die Stimmung (Emotion vs. Ästhetik)

  • Fauvismus: Hier geht es primär um die visuelle Harmonie. Die Künstler wollten die „Lebensfreude“ einfangen. Das Ziel war ein Bild, das beruhigend und ästhetisch wirkt – eine Art „bequemer Sessel“ für den Geist, wie Matisse es nannte.

  • Expressionismus: Hier steht das Innere Erleben im Vordergrund. Die Bilder sind oft Ausdruck von Angst, Einsamkeit oder der Kritik an der modernen Großstadt. Sie sind psychologisch aufgeladen und wollen den Betrachter oft wachrütteln oder schockieren.

Die Farbwahl

  • Fauvismus: Die Farben sind extrem hell, leuchtend und oft dekorativ. Sie werden genutzt, um Licht und Raum neu zu definieren.

  • Expressionismus: Die Farben sind ebenfalls kräftig, aber oft düsterer oder aggressiver eingesetzt. Es geht nicht um Schönheit, sondern um die maximale emotionale Wahrheit.

Form und Linienführung

  • Fauvismus: Die Linien sind oft fließend, elegant und arabesk. Die Formen werden vereinfacht, behalten aber eine gewisse Leichtigkeit.

  • Expressionismus: Die Formen sind oft eckig, kantig und verzerrt. Besonders in den Holzschnitten der Gruppe „Die Brücke“ sieht man eine bewusste Rohheit und Brutalität in der Linienführung.


3. Die Motive

  • Fauvisten malten bevorzugt idyllische Landschaften (Südfrankreich), Porträts und Stillleben. Die Welt wird als ein schöner, fast paradiesischer Ort dargestellt.

  • Expressionisten thematisierten auch die Schattenseiten: das hektische Berliner Nachtleben, soziale Ungerechtigkeit, Kriegsangst und die Entfremdung des Menschen in der modernen Welt.


4. Das gemeinsame Erbe

Trotz ihrer Unterschiede hatten beide Bewegungen ein gemeinsames Ziel: Die Zerstörung der Realitätspflicht.

Beide Strömungen bewiesen, dass ein Baum nicht grün sein muss, um als Baum erkannt zu werden. Sie bereiteten den Weg für die völlige Abstraktion, in der die Farbe schließlich gar kein Gegenstand mehr braucht, um zu existieren.


Welcher Stil spricht dich mehr an?

Magst du eher die sonnige, französische Leichtigkeit des Fauvismus oder fasziniert dich die tiefgründige, emotionale Wucht des Expressionismus? Ich kann dir gerne gezielte Beispiele für die Künstlergruppen „Die Brücke“ oder „Der Blaue Reiter“ geben!

Während der Fauvismus die Befreiung der Farbe feierte, brachte der Kubismus kurz darauf die Revolution der Form. Beide Epochen entstanden im Paris des frühen 20. Jahrhunderts und bilden die zwei wichtigsten Säulen, auf denen die gesamte moderne Kunst steht.

Man kann es so sagen: Die Fauvisten malten mit dem Herzen (Gefühl/Farbe), die Kubisten mit dem Kopf (Logik/Struktur).


1. Der fundamentale Unterschied

Merkmal Fauvismus Kubismus
Fokus Farbe (Wildheit, Emotion) Form (Geometrie, Analyse)
Ziel Ausdruck von Lebensfreude & Licht Darstellung von Objekten aus mehreren Perspektiven
Wirkung Emotional, flächig, leuchtend Intellektuell, zersplittert, oft erdfarben
Hauptvertreter Henri Matisse, André Derain Pablo Picasso, Georges Braque

2. Fauvismus: Die Farbe regiert (ca. 1905–1908)

Die Fauvisten wollten das Auge mit purer Energie berauschen.

  • Farbe statt Form: Ein Baum wird rot, weil es die Stimmung des Malers widerspiegelt, nicht weil Bäume rot sind.

  • Flächigkeit: Es gibt kaum Tiefe. Die Bilder wirken oft wie bunte Teppiche oder dekorative Muster.

  • Spontaneität: Der Pinselstrich ist wild und sichtbar.

3. Kubismus: Die Form wird zerlegt (ab ca. 1907)

Der Kubismus entstand teilweise als Reaktion auf die „Unordnung“ des Fauvismus. Picasso und Braque wollten die Realität radikal neu ordnen.

  • Geometrisierung: Alles wird in Würfel (lat. cubus), Kegel und Kugeln zerlegt.

  • Simultanität: Das ist der Clou des Kubismus: Man sieht ein Objekt (z. B. eine Gitarre oder ein Gesicht) gleichzeitig von vorne, von der Seite und von oben.

  • Farbverzicht: In der Hochphase (Analytischer Kubismus) nutzten die Künstler fast nur Grau-, Braun- und Ockertöne, damit die Farbe nicht von der komplexen Form ablenkt.


4. Die Brücke: Georges Braque

Interessanterweise war Georges Braque die direkte Verbindung zwischen beiden Welten. Er begann als Fauvist und malte bunte Landschaften. Doch als er Picassos bahnbrechendes Werk „Les Demoiselles d’Avignon“ sah, veränderte er seinen Stil komplett. Er erkannte, dass man die Welt nicht nur durch Farbe, sondern durch eine neue Art der Konstruktion revolutionieren konnte.

5. Zusammenfassung: Zwei Wege zur Abstraktion

  • Der Fauvismus befreite die Kunst von der Pflicht, die echten Farben zu benutzen.

  • Der Kubismus befreite die Kunst von der Pflicht, die echte Perspektive zu benutzen.

Ohne diese beiden radikalen Schritte wäre die spätere abstrakte Kunst (wo es weder erkennbare Gegenstände noch echte Farben gibt) niemals möglich gewesen.


Was fasziniert dich mehr?

Die wilde, emotionale Farbenwelt von Matisse oder das rätselhafte, architektonische Puzzlespiel von Picasso? Wenn du möchtest, kann ich dir zeigen, wie ein und dasselbe Motiv (z. B. ein Porträt) in beiden Stilen völlig unterschiedlich aussieht!

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